Hallo du Superheldin 🦸♀️🦸♂️
Letzte Woche habe ich eine Umfrage gestartet und ihr habt euch mehr von diesen Themen gewünscht und diesen Wunsch erfülle ich so so gerne! Denn sind wir mal ehrlich, Selbstführung und Leitungsidentität sind die Themen, denen wir jeden Tag begegnen. Wir haben uns selbst eben immer dabei.
Deswegen knüpfen wir heute direkt am Thema der letzten Woche an. Denn wenn du dir bereits die Zeit genommen hast, in Ruhe zu überdenken, wer du als Leitung tatsächlich sein möchtest, schwebt da ganz schnell ein weiterer Gedanke in unserem Kopf: Wie um alles in der Welt soll ich das in meinem Alltag auch noch unterbringen?
Wir werden also heute und auch in den nächsten Ausgaben regelmäßig solche Themen für mehr Klarheit und Leichtigkeit in deinem Alltag nutzen. Und genauso werden die „typischen Praxisthemen“ nicht zu kurz kommen. Ich liebe diese Mischung und glaube, dass genau das dich in den nächsten Monaten auf eine ganz neue Art tragen wird.
Also lass uns für heute erstmal eintauchen. 🤿
Um die Frage vom Anfang zu beantworten, müssen wir einmal auf ein Thema schauen, dass bisher noch jede Leitung beschäftigt hat, mit der ich gearbeitet habe: Das Gefühl, es fehlt noch irgendetwas, um ihre Vorhaben endlich nachhaltig in ihrer Kita zu verankern. Und die meisten suchen nach dem Geheimnis, dass alles verändert.
Nur die Sache ist, du weißt längst genug.
Du hast eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen, Fortbildungen besucht, Fachbücher gelesen. Du liest diesen Newsletter, du liest vermutlich noch andere. Du weißt, wie gute Eingewöhnung geht. Du weißt, was bedürfnisorientiertes Arbeiten bedeutet. Du weißt, wie ein gutes Teamgespräch aufgebaut ist und wie Beteiligung von Kindern eigentlich aussehen sollte. Wenn Wissen der Engpass wäre, hättest du deine Kita längst umgekrempelt.
Aber Wissen ist nicht dein Engpass. Nur glaubst du das noch nicht wirklich. Gründe gibt es dafür viele. Vielleicht ist es ein Glaubenssatz, vielleicht die Frustration oder die leise Hoffnung.
So oder so liegt da nun dieser Stapel deiner guten Vorsätze: Das Konzept, das du seit Wochen endlich überarbeoten willst. Die Teamsitzung, die du mal ganz anders aufziehen möchtest. Die neue Routine am Morgen, die du deinem Team vorstellen möchtest, weil du genau weißt, dass sie den Kindern guttäte. Alles da. Alles verstanden. Und trotzdem passiert es nicht.
Und dann passiert es ganz schnell, dass einen Vorwurf an uns selbst fällt. Ich bin nicht konsequent genug. Mir fehlt die Disziplin. Andere kriegen das doch auch hin.
Das ist der falsche Schluss. Und außerdem würdest du so auch nicht mit deinen liebsten Freund:innen sprechen. Warum also mit dir selbst? Sei gefälligst nett zu dir!
Was du hier erlebst, ist keine Charakterschwäche. Es ist eine der am besten erforschten Lücken der Psychologie. Sie hat sogar einen Namen, die Kluft zwischen Absicht und Handlung. Und das Entscheidende ist: Zwischen „ich weiß, dass ich das tun sollte” und „ich tue es tatsächlich” klafft ein Abstand, den gutes Wollen allein nie überbrückt. Bei niemandem. Auch nicht bei den Kolleg:innen, die von außen so mühelos wirken.
Die spannende Frage ist also nicht, warum du zu wenig weißt. Die Frage ist, warum das Wissen nicht den Weg in die Praxis findet. Und da gibt es vor allem drei Gründe.
🪧 Du willst zu viel auf einmal
Wenn du dich endlich mal hinsetzt und etwas Luft hast, dann richtig. Dann soll nicht nur die Teamsitzung anders werden, sondern auch die Eingewöhnungen, die Kommunikation mit den Familien und das Übergabesystem gleich mit. Das Problem daran ist nicht dein ganzheitlicher Blick. Der ist sogar ein Erfolgsfaktor für Veränderungsprozesse. Das Problem ist, dass unser Kopf bei zu vielen Baustellen gleichzeitig dichtmacht. Du siehst den Berg, spürst, dass die Kraft dafür heute nicht reicht, und schiebst lieber alles auf. Lieber gar nicht anfangen als scheitern. So bleibt am Ende alles liegen, ausgerechnet weil du es richtig gut machen wolltest.
🌫️ Dein Wissen ist noch zu abstrakt
„Wir arbeiten ab jetzt bedürfnisorientierter.” Ein wunderbarer Satz. Nur ist er keine Handlung. Er sagt dir nicht, was du am Montag um kurz nach acht konkret anders machst. Wissen ist fast immer allgemein formuliert, das Tun aber ist immer konkret. Solange die Brücke zwischen beidem fehlt, bleibt das Wissen ein schöner Gedanke, an dem der Alltag einfach vorbeirauscht.
🔥 Unter Druck greifst du zum Vertrauten
Das kennen wir schon aus der Ausgabe über die Absprachen. Wenn der Tag eng wird, und eng ist er fast immer, dann fällt jeder Mensch in das zurück, was er sicher beherrscht. Das Neue braucht Aufmerksamkeit, und die ist im Trubel als Erstes weg. Deshalb überlebt kein Vorsatz einen stressigen Kita-Tag, wenn er sich auf deine gute Absicht verlässt. Er braucht etwas Stabileres.
Und genau da kommt das eine Werkzeug ins Spiel, das in meinen Augen im Kita-Alltag wirklich immer funktioniert.
Mach es lächerlich klein und häng es an etwas dran
Der wirksamste Trick, ein Wissen ins Tun zu bringen, ist erstaunlich unspektakulär. Du machst den ersten Schritt so klein, dass er fast albern wirkt und knüpfst ihn an einen festen Auslöser, der ohnehin jeden Tag passiert.
Nicht: „Ich möchte präsenter für mein Team sein.” Sondern: „Wenn ich morgens meinen Computer hochfahre, gehe ich einmal durch alle Gruppen und sage guten Morgen.”
Merkst du den Unterschied? Aus einem vagen Vorsatz wird eine konkrete Handlung an einem festen Punkt im Tag. Der Auslöser übernimmt das Erinnern für dich, du musst nicht mehr dran denken und nicht mehr die Kraft aufbringen, dich jeden Tag neu zu entscheiden.
Das ist keine nette Idee, das ist richtig gut erforscht. Menschen, die sich vorher genau überlegen, bei welcher konkreten Gelegenheit sie etwas tun, setzen es deutlich zuverlässiger um als Menschen, die es sich nur fest vornehmen. Der Effekt ist groß, und er kostet dich nichts außer einem klaren Satz.
Und jetzt kommt das Schönste. Diese kleinen Schritte sind nicht nur ein Umsetzungstrick. Sie sind der Weg, auf dem die Leitung, die du sein willst, tatsächlich entsteht. Denn die Leitungsidentität von letzter Woche wird ja nicht durch Nachdenken real. Sie wird real durch das, was du morgen früh konkret tust. Jeder kleine Schritt, der gelingt, sagt dir: Ich bin die, die das hier verändert. Und dieses Gefühl trägt weiter als jede Fortbildung.
Du brauchst also nicht mehr Wissen. Du brauchst einen einzigen konkreten Schritt, der so klein ist, dass ihn selbst der chaotischste Kita-Tag nicht kaputtmacht.
✍️ Für deinen Alltag
Nimm dir eine einzige Sache, die du seit Wochen umsetzen willst und die einfach nicht passiert und schrumpfe sie, bis sie fast lächerlich klein ist. Nicht das ganze neue Übergabesystem, sondern der eine erste Handgriff. Nicht die rundum erneuerte Teamsitzung, sondern die eine Frage, mit der du sie ab jetzt eröffnest.
Dann häng sie an einen festen Moment in deinem Tag. Formulier einen einzigen Satz: „Wenn ich …, dann …” Zum Beispiel: „Wenn ich mir meinen ersten Kaffee hole, dann schreibe ich mir die eine wichtigste Sache für heute auf.”
Einer. Diese Woche. Mehr nicht. Und dann schau, was passiert.
💫 Aus meiner Welt
Genau hier liegt für mich der Kern von allem. Ich glaube nicht, dass euch das Wissen fehlt. Euch fehlt jemand, der mit euch gemeinsam den Weg vom Wissen ins Tun geht, Schritt für Schritt, mitten in eurem echten Alltag und nicht in der Theorie eines Seminarraums und dabei auch noch eure Leitungsidentität im Blick hat.
Und genau dafür entsteht gerade die Leitungswerkstatt. Kein weiterer Ort, an dem du noch mehr lernst, das hast du nicht nötig. Sondern ein Ort, an dem aus dem, was du längst weißt, endlich gelebte Praxis wird. Wer du sein willst und was du dafür konkret tust, das bringen wir dort zusammen.
Und in der Aufzeichnung der Masterclass „Die Leitung, die wieder atmet“ bekommst du noch ein richtig leckeres Angebot von mir, damit du auch wirklich langfristig ins Gestalten kommst und nicht wieder ins Funktionieren zurückfällst.
Bis nächsten Dienstag.
Von Herzen
Laura - 101Visionen
Geschrieben mit einer To-do-Liste neben mir, auf der genau ein Punkt steht und genau deshalb habe ich schon drei geschafft. ;)

