Wenn gute pädagogische Arbeit nicht mehr möglich ist
Zwischen Verantwortung und Unmöglichkeit: Eine Unterscheidung, die entlastet.
Hallo du Superheld:in 🦸♀️🦸♂️
in den letzten Wochen habe ich in meiner Arbeit mehrere Gespräche geführt, die mich sehr beschäftigt haben. Gespräche mit Kita-Leitungen und Fachkräften, die ihre Begleitung mit einem klaren Ziel begonnen hatten: Im System bleiben. Gestalten. Für Kinder wirksam sein.
Und dann – Schritt für Schritt – wurde etwas anderes deutlich.
Nicht, weil sie weniger wollten.
Nicht, weil sie plötzlich „nicht mehr belastbar“ waren.
Sondern weil sie sehr klar gesehen haben: Unter diesen Bedingungen ist das, was ich fachlich verantworten möchte, nicht mehr möglich.
Einige haben ihre Leitungsstelle aufgegeben. Andere haben das System verlassen. Nicht leichtfertig. Nicht impulsiv. Sondern nach langer, ehrlicher Auseinandersetzung.
Und ich merke: Diese Entscheidungen haben mich nachdenklich gemacht und gleichzeitig an etwas sehr Zentrales erinnert. Manchmal bringt es nichts, an Altem festzuhalten. Nicht, weil Aufgeben einfacher wäre, sondern weil Klarheit uns irgendwann dazu zwingt zu handeln.
Führung kann nicht alles möglich machen
Viele Leitungen tragen innerlich diesen Satz mit sich:
„Ich weiß, dass das System kaputt ist, aber die Kinder dürfen nicht den Preis dafür zahlen.“
Und genau dieser Gedanke hält viele viel zu lange in Bedingungen, an denen sie sich selbst und oft auch ihr Team permanent überfordern.
Denn er vermischt zwei sehr unterschiedliche Dinge:
fachliche Verantwortung
und strukturelle Unmöglichkeiten
Was dabei oft passiert:
Alles wird gleich schwer.
Alles wird gleich dringend.
Und alles fühlt sich moralisch aufgeladen an.
Doch Führung braucht genau hier eine saubere Unterscheidung.
Nicht alles, was wichtig ist, ist unter diesen Bedingungen möglich
Ich formuliere das bewusst klar und wohlwollend: Gute Führung bedeutet nicht, alles möglich zu machen. Gute Führung bedeutet, zu erkennen,
was fachlich nicht mehr verantwortbar ist
und was zwar unbequem, aber trotzdem gestaltbar bleibt
Solange diese Unterscheidung nicht getroffen wird, entsteht ein gefährlicher Zustand:
Leitungen tragen Verantwortung für Dinge, die sie real nicht steuern können
Teams arbeiten permanent im Mangelmodus
Kinder erleben erschöpfte Erwachsene, die eigentlich schützen wollen
Nicht aus bösem Willen. Sondern aus fehlender Klarheit.
Die gute Neuigkeit: Es gibt einen Ausgang aus dieser Abwärts-Spirale, der funktioniert, egal wie weit sie sich schon gedreht hat. Denn für eine Veränderung braucht es vorerst keine anderen Rahmenbedingungen, sondern Klarheit und Mut.
Ganz nach dem Motto: Was im Inneren wächst, wird im Außen sichtbar!
Sicherheit entsteht nicht, weil plötzlich alles leichter wird. Sicherheit entsteht, wenn du Klarheit hast: über deine Rolle, deine Grenzen, deine Prioritäten und deine Haltung.
Und es sind oft ganz kleine Tools, die dafür sorgen, dass du auch an Chaos-Tagen den Überblick behältst.
Vier Kategorien, die Führung entlasten, ohne Anspruch zu verlieren
In meiner Arbeit hat sich eine Einordnung bewährt, die genau hier ansetzt. Nicht, um Dinge „schönzureden“, sondern um handlungsfähig zu bleiben.
1. Fachlich unter diesen Bedingungen nicht möglich
Dinge, bei denen du – ganz ehrlich – sagen musst:
Wenn ich das jetzt versuche, gefährde ich Qualität, Beziehung oder Sicherheit.
Diese Dinge weiter „mitzuschleppen“ ist kein Heldentum. Es ist fachlich nicht vertretbar.
Beispiel: Kita trotz zu wenig Personal offen lassen. Sprich den Rechtsanspruch dem Kinderschutz vorziehen.
2. Fachlich sinnvoll, aber ressourcenabhängig
Hier wäre gute Arbeit möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben wären (Zeit, Personal, Stabilität).
Diese Punkte brauchen klare Benennung: gegenüber dem Träger, dem Team und vor allem auch dir selbst.
Beispiel: Besondere Angebote durchführen.
3. Unbequem und anstrengend, aber machbar
Das sind oft die Punkte, vor denen wir innerlich zurückschrecken: potenzielle Konflikte, klare Entscheidungen, Priorisierungen.
Nicht, weil sie fachlich falsch wären, sondern weil sie Mut kosten. Viel Mut.
Beispiel: Die Bringzeiten den Familien anpassen. Sprich die Familien können ihre Kinder zu der Zeit bringen, wie es für ihren Alltag dienlich ist.
4. Systemisch verankert, aber fachlich fragwürdig
Dinge, die „so laufen“, weil sie immer so liefen und nicht, weil sie Kindern, Familien oder Kitakräften wirklich dienen.
Auch hier braucht es Führung und keine Akzeptanz des Gewohnten.
Beispiel: Bewertung von Familien, weil sie ihre Kinder immer in den letzten 5 Minuten abholen.
Warum diese Klarheit so viel verändert
In dem Moment, in dem Leitungen diese Unterscheidung treffen, passiert etwas Entscheidendes:
Schuldgefühle werden kleiner
Verantwortung wird realistischer
Entscheidungen werden tragfähiger
Und vor allem: Man steht innerlich hinter dem eigenen Handeln. Nicht, weil alles gut ist. Sondern weil es ehrlich ist.
Ein Tool für genau diese Klarheit
Ich habe dir zu diesem Newsletter ein Entscheidungs-Tool nur für Leitungen erstellt.
Kein Reflexionsblatt für die Schublade. Sondern eine strukturierte, klare Hilfe, um:
Themen sauber einzuordnen
die eigene Haltung zu klären
und daraus konkrete Konsequenzen fürs Leitungshandeln abzuleiten
Das Ziel ist nicht, alles zu lösen. Sondern so klar zu werden, dass du nicht mehr anders handeln kannst, weil dein innerer Kompass wieder stimmt.
👉 Das Tool findest du hier als PDF zum Download.
Vielleicht ist genau jetzt der Moment, an dem du dir erlaubst, ehrlich hinzuschauen, um klare Grenzen zu ziehen und zu entscheiden was du ab heute nicht mehr zulässt.
Nicht aus Resignation oder Schwäche. Sondern aus Verantwortung für dich, dein Team und die Kinder.
Denn Klarheit ist unbequem. Aber sie ist der Anfang von wirksamer Führung.
Von Herzen
Laura - 101Visionen

