Hallo du Superheldin 🦸♀️🦸♂️
vor einem Monat habe ich mal wieder eine Fortbildung zum Thema Widerstände in Kita-Teams gegeben und ein Phänomen, was mir in nahezu jeder Fortbildung zu diesem Thema begegnet, möchte ich heute mit dir besprechen.
Es ist Dienstag. 18:26 Uhr. Ihr habt das Thema fast die ganze Teamsitzung besprochen und auf die Frage, ob alle mitgehen können, nicken sie. Das gesamte Team. Es ging um Beobachtung im Freispiel und darum, dass ihr endlich wieder verlässliche Grundlagen für die Entwicklungsgespräche braucht. Du hast sie in die Lösungsfindung mit eingebunden, hast Sorgen ernst genommen und trotzdem ahnst du was kommen wird:
Zwei Wochen später stehst du in der Tür und siehst dabei zu, wie die eine Kollegin alles so macht wie immer. Als wäre da nie eine Absprache gewesen.
Und das Schlimmste daran ist nicht einmal die Sache selbst. Es ist, dass du abends auf dem Sofa sitzt und immer noch über sie nachdenkst. Du führst ein Team von zwölf Menschen und dein Kopf ist bei einer.
Der Umgang mit einzelnen Mitarbeitenden fordert so viele Kita-Leitungen und genau deshalb tauchen wir da heute ein. 🤿
🧠 Warum deine Gedanken nicht gerade hilfreich sind
Wenn du erklärst, warum du selbst eine Absprache nicht eingehalten hast, greifst du zur Situation. Du hattest drei Krankmeldungen, ein Elterngespräch kam dazwischen, du bist einfach nicht dazu gekommen.
Wenn du erklärst, warum eine andere eine Absprache nicht eingehalten hat, greifst du zur Person. Das ist Trotz. Sie zieht nicht mit. Sie will einfach nicht.
Das ist kein Charakterfehler von dir, das geht uns allen so. Wir überschätzen systematisch die Persönlichkeit und unterschätzen die Situation, wenn wir das Verhalten anderer deuten sollen. Bei uns selbst machen wir es übrigens genau umgekehrt.
Das heißt nicht, dass dein Eindruck falsch ist. Es heißt, dass deine Gedanken zu schnell sind. Dein Kopf hat dir eine Erklärung geliefert, bevor du die nötigen Informationen hattest.
🔥 Der Unterschied, der alles entscheidet
In Teams gibt es zwei Arten von Konflikten. Sachkonflikte und Beziehungskonflikte.
Ein Sachkonflikt ist nicht automatisch schlecht. Wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid, wie die Eingewöhnung laufen sol, kann euch das als Team richtig weiterbringen. Vorausgesetzt du als Leitung setzt den passenden Rahmen und kannst es gut halten. Durch Uneinigkeit auf sachlicher Ebene bekommt ihr als Team die Möglichkeit in die Tiefe zu schauen, Gewohntes zu reflektieren und aus einem guten Konzept ein richtig gutes Konzept zu machen. Reibung an der Sache gehört somit zu guter pädagogischer Arbeit dazu.
Ein Beziehungskonflikt ist etwas völlig anderes. Er kostet Leistung, er kostet Zufriedenheit, er kostet Nerven und ein Beziehungskonflikt bleibt. Sobald aus der Sache eine Person wird, arbeitet ihr nicht mehr an der Frage, sondern aneinander.
Und jetzt kommt der Teil, den die meisten Leitungen unterschätzen. Du bitte nicht. Denn welche Art von Konflikt sich entwickeln kann, wenn du die oben beschriebene Situation ansprichst, entscheidest du maßgeblich mit.
Dieselbe Situation kippt in die eine oder die andere Richtung, je nachdem, womit du das Gespräch eröffnest.
„Du machst es dir da ganz schön bequem.” Der Beziehungskonflikt ist eröffnet und alles, was danach kommt, ist Verteidigung. Egal was du jetzt noch tust, es wird ganz sicher nicht mehr um die Sache gehen.
„Wir hatten vereinbart, dass ihr aktiv in die Beobachtung geht, wenn die Kinder im Freispiel keine Begleitung brauchen. Gestern und vorgestern habt ihr zu zweit am Tisch gesessen und euch unterhalten. Was hindert dich aktuell noch daran?” Damit redet ihr über eine Handlung
Der Inhalt ist derselbe. Die Wirkung ist eine völlig andere.
🎯 Drei Schritte, die du einfach immer nutzen kannst
Das hier ist kein Leitfaden zum Ausdrucken. Das sind drei Schritte, fast schon Haltungsfragen, die du irgendwann automatisch machst. Auch im Flurgespräch. Auch zwischen Tür und Angel.
Ich weiß, das meiste ist nicht neu für dich, aber wie oft verfällst du doch wieder in alte Gewohnheiten? Ich ja, wenn der Frust groß ist, ist es schwer das Positive zu sehen und wieder diejenige zu sein, die den ersten Schritt macht. Deshalb: Schaue es dir an und halte dich in den nächsten drei Situationen konsequent dran. Wenn es nichts bewirkt, kannst du dich dem Frust voll und ganz hingeben.
Erstens: Beobachtung statt Deutung. Was hast du tatsächlich gesehen oder gehört? Nicht, was du daraus schließt. „Sie macht was sie will” ist eine Deutung. „Sie hat gestern und vorgestern im Freispiel am Tisch gesessen und sich mit der Kollegin unterhalten” ist eine Beobachtung.
Zweitens: Wirkung statt Absicht. Du weißt nicht, was in ihr vorgeht. Du weißt, was ihr Verhalten auslöst. Beschreib das. „Das führt dazu, dass wir für die Entwicklungsgespräche im Frühjahr keine Beobachtungen haben und wieder aus dem Bauch heraus argumentieren.” Über Wirkung kann man sprechen. Über unterstellte Absichten streitet man nur.
Drittens: Vereinbarung statt Appell. „Ich wünsche mir, dass du das ernst nimmst.” ist ein Appell und verpufft quasi in der Sekunde in der du es ausgesprochen hast. Eine echte Vereinbarung hat drei Teile: einen konkreten Inhalt, einen festen Zeitpunkt und einen Moment, an dem ihr draufschaut. „Du machst bis zum 7. November zwei Beobachtungen und wir schauen am 10. in deiner Dienstbesprechungszeit gemeinsam drauf.” Der dritte Teil ist der, den fast alle weglassen. Und genau der entscheidet darüber, ob aus eurem Gespräch Veränderung wird oder nur ein gutes Gefühl für zwei Tage.
Wenn du diese drei Schritte wirklich verinnerlichst, brauchst du keine Formulierungshilfe mehr. Dann hörst du dir beim Sprechen selbst zu und merkst mitten im Satz, dass du gerade bei der Person gelandet bist statt beim Verhalten. Und kannst umdrehen.
Das ist der Unterschied zwischen einem Gespräch, das du führst und einem Gespräch, in dem du dich führen lässt - zum Beispiel von Frust.
✨ Für deinen Alltag
Denk an die eine Person.
Schreib den Satz auf, den du im Kopf über sie sagst. Den ehrlichen, nicht den für die Dienstbesprechung. Also mach das jetzt wirklich einmal und zwar bevor du weiterliest.
Zettel raus, Stift raus, Satz aufschreiben. Kostet dich nur eine Minute, entscheidet aber darüber ob du nach dem Newsletter denkst, klingt gut, mach ich irgendwann mal oder du direkt morgen eine Veränderung spürst.
Also: Was denkst du über die eine Person in deinem Team, die dich gerade am meisten Kraft kostet? Was ist der Satz, der beschreibt, warum die Zusammenarbeit nicht läuft.
Wenn du den Satz geschrieben hast, streichst du jetzt alles durch, was du nicht tatsächlich gesehen oder gehört hast.
Was bleibt stehen?
Meistens erschreckend wenig. Und genau das ist das Einzige, worüber du im Gespräch wirklich sprechen kannst. Alles andere ist deine Geschichte über sie und die hilft dir nicht weiter.
🌱 Aus meiner Welt
Was mir in Fortbildungen immer wieder begegnet: Das Gespräch ist selten das eigentliche Problem. Das Problem ist, dass es erst geführt wird, wenn die Geduld schon aufgebraucht ist. Dann geht es längst nicht mehr um die Absprache von vor zwei Wochen, sondern um alles, was sich seit Monaten angesammelt hat. Und das bei beiden Beteiligten.
Deshalb gibt es im Oktober und November drei Abende, die genau an dieser Stelle ansetzen. Alle online, alle 90 Minuten, alle so gebaut, dass direkt etwas für den nächsten Tag mitnehmen kannst.
Mi., 14. Oktober, 18 Uhr: Wenn es im Team knirscht. Gespräche, die wirklich etwas verändern. Hier gehen wir tief rein in genau das, was du heute gelesen hast. Was tust du, wenn du innerlich schon im Widerstand bist, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat? Und wie führst du ein Gespräch, in dem ihr euch tatsächlich aufeinander zubewegt statt euch gegenseitig zu überzeugen? 39 € 👉 Hier anmelden
Di., 20. Oktober, 19 Uhr: Dauernd erschöpft, abends unruhig, nie wirklich Feierabend. Das ist der Abend für den Teil, der vor jedem guten Gespräch kommt. Anne zeigt dir, was in deinem Nervensystem passiert, wenn du den ganzen Tag ansprechbar, verantwortlich und bereit bist. Und warum dein Körper sich abends zurückholt, was tagsüber zu kurz kam. Wenn du dich abends mit kreisenden Gedanken und einem Snack auf dem Sofa wiederfindest: Das ist keine fehlende Disziplin. 27 € 👉 Hier anmelden
Do., 5. November, 18 Uhr: Warum Kolleg:innen nicht mitziehen und was du stattdessen tun kannst. Wenn es nicht bei der einen bleibt, sondern du das Gefühl hast, gegen eine Wand zu reden. Wir schauen uns Widerstand mal von der anderen Seite an, nämlich als Schutz und als Hinweis auf etwas, das noch nicht gesehen wurde. Das verändert, wie du reagierst. 39 € 👉 Hier anmelden
Zum Schluss
Eine ehrliche Sache noch. Alles, was ich dir heute geschrieben habe, wirkt nur, wenn du den Kopf frei genug hast, um es anzuwenden. Dazu gehört auch ein reguliertes Nervensystem, damit du deine Emotionen im Griff hast und nicht andersherum. Deshalb ist weiterhin deine wichtigste Aufgabe, dich an die erste Stelle zu setzen. Vergiss das nicht. Wenn du dafür eine Erinnerung brauchst, dann ist das Webinar mit Anne genau für dich.
Von Herzen,
Laura - 101Visionen
In der Hoffnung, dass du mich ein ganz kleines bisschen vermisst hast. ;)

